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South Park: The Review of Truth

19.03.2014
South Park: Der Stab der Wahrheit Review

Woah, bin ich glücklich! So glücklich, wie man nur sein kann, wenn man auf etwas seit Jahren gewartet hat und dann merkt, dass es nicht nur so gut geworden ist, wie erhofft, sondern sogar noch besser. Ich habe die letzten Tage South Park: The Stick of Truth (Der Stab der Wahrheit) gespielt. Und wie versprochen gibt es nun einen ausführlichen, spoilerfreien Bericht darüber. Ich plane momentan eine umfangreichere Rubrik für das Spiel, aber bis die fertig ist, veröffentliche ich meine Rezension erst einmal hier. Danke an Bryan, der mir noch schnell Screenshots aus der PC-Version besorgt hat. Viel Spaß beim Lesen!

Handlung & Humor

Unsere Geschichte beginnt mit dem Einzug eines neuen Kindes in dem uns wohl bekannten, idyllischen Bergdorf namens South Park. Das so sympathische wie stumme Kerlchen spielt man selber. Schnell trifft man auf den als Magierkönig verkleideten Eric Cartman. Die Grundschüler stehen im Mittelpunkt, und so kommt es, dass man nicht wirklich gegen Drachen und Orks kämpft, sondern dass die Fantasywelt einem Rollenspiel entstammt, das die Kinder gerade am Laufen haben. Klingt meta? Ist es auch. Anspielungen auf Fantasy- und Videospieleklischees finden sich reihenweise. Und die Phantasie, mit der Kinder in fremde Rollen schlüpfen, wurde sehr schön eingefangen. Die Gärten ihrer Elternhäuser haben die beiden verfeindeten Gruppen, die Menschen und Elfen, zu Stützpunkten ausgebaut, in denen man sich mit zu Waffen umfunktionierten Gegenständen eindecken kann. „Boys being boys“ nennen South Park Fans es ja gerne, wenn die spielenden Kinder in den Mittelpunkt der Handlung gesetzt werden und man die Geschichte aus ihrer Perspektive erlebt. Aber keine Sorge, auch die völlig übertriebenen Überraschungen kommen nicht zu kurz. Ein düsterer Schatten wird sich schon bald über South Park legen…

Man gerät zwischen die Fronten eines erbitterten Kampfes um den sogenannten „Stab der Wahrheit“. Denn wer den Stab kontrolliert, kontrolliert das Universum! Bei dieser kleinen Anspielung auf Dune bleibt es nicht, wie für die Serie üblich steckt dieses Spiel voller mehr oder weniger dezenter Parodien. Vor allem die auf Videospielemechaniken sorgten bei mir für unkontrolliertes Kichern. Abwechslung wird groß geschrieben. Trey Parker und Matt Stone haben das Drehbuch selber verfasst und dabei vieles eingebaut, was sie als Gamer mögen – und was sie nervt. Man hat dadurch das Gefühl, ein sehr persönliches Spiel vor sich zu haben. Als Vorbilder für Elemente von The Stick of Truth nennen sie übrigens Titel wie Earthbound, Paper Mario, The Legend of Zelda und Skyrim.

South Park: Der Stab der Wahrheit - Cartmans FestungWorüber man allerdings in noch größerem Maße stolpert, sind Anspielungen auf South Park Folgen aller bisherigen 17 Staffeln. Ich habe noch nie ein Lizenzspiel gesehen, das dermaßen viel Fanservice bietet! Folgt man der Hauptstory und den Nebenquests, trifft man immer wieder auf alte Bekannte. Mein persönliches Highlight war das Auftauchen meines großen Vorbildes: Der Zwerg im Bikini, ein Reporter, der bisher nur in einer Folge der 1. Staffel und im South Park Film kurz zu sehen war. Hurra! Aber es lohnt sich, sich auch die Zeit zu nehmen, die Welt abseits der Quests genauer zu erkunden. Jeder Ort bietet bei genauerer Betrachtung Grund für nostalgische Seufzer. Man sammelt neben nützlichen Items „Junk“ ein, der aus Objekten besteht, die irgendwann einmal in einer einzelnen South Park Folge von Bedeutung waren. Immer liebevoll mit einer eigenen Beschreibung versehen und meistens passend zu dem Ort, an dem man ihn gefunden hat. Verständlicherweise ein Fest für Fans! Angenehm für alle, die das nicht interessiert, ist, dass ihnen diese Elemente nicht aufgedrängt werden – sie können den Krempel einfach ignorieren und beim nächsten Händler zu Geld machen. Ein durchdachtes System, um sowohl Hardcore-Fans als auch Gelegenheitsgucker zufrieden zu stellen.

South Park: The Stick of Truth ist das vielleicht witzigste Spiel, das ich je gespielt habe. Abgesehen von den hier verständlicherweise stark zurückgeschraubten Referenzen aufs aktuelle Zeitgeschehen ist der Humor der typische der Serie. Mal subtil und hintergründig, mal deutlich unter der Gürtellinie. Wen abgetriebene Mutanten-Föten als Gegner und der exzessive Gebrauch von Furz-Magie abschrecken, sollte vorgewarnt sein. Die Mischung macht‘s, und die war noch nie für jeden leicht verträglich. Man sollte wie bei der Serie auf keinen Fall den Fehler machen, South Park nur auf einen Aspekt seines Humors zu reduzieren. Es handelt sich weder um ein Spiel für Kinder, noch ist es primitiv.

Ich möchte hier nichts weiter zur Handlung an sich verraten, aber wer befürchtet hatte, dass sie sich nach den ersten Stunden tot läuft, den kann ich beruhigen. South Park funktioniert nicht nur in einer Länge von 22 Minuten, sondern hält auch über 10 Stunden ohne Hänger durch. Ich habe den Abspann nach 20 Stunden gesehen. Die meisten Tests sprechen von 12 Stunden, was ich nachvollziehen kann, wenn man hauptsächlich der Handlung folgt. Aber The Stick of Truth ist keines dieser Spiele, bei denen man durchrennen sollte. Es wurde gerade deshalb so kompakt gehalten, um zum Experimentieren und Erforschen zu animieren, denn jeder einzelne Bildschirmausschnitt ist liebevoll gestaltet worden. Ernsthaft: Wenn ihr Fans seid, dann nehmt euch die Zeit, in Schränke zu schauen, Aushänge zu studieren und Beschreibungen zu lesen. Auch die Nebenquests sind nicht bloß beliebiges Füllwerk. Dass alles worauf man trifft, liebevoll ausgearbeitet und absolut einzigartig ist, zeichnet dieses Spiel aus und wäre nicht möglich gewesen, wenn man es auf die doppelte Länge gestreckt hätte. Wer sich gerne zum Grinden durch zufallsgenerierte Welten kloppt, sollte The Stick of Truth nicht mit dieser Art von Rollenspielen vergleichen, weil es einen völlig anderen Ansatz verfolgt. Bringt man hingegen Interesse für die Feinheiten mit, die einem vorgesetzt werden, kann man nicht nur mehr Zeit in der Welt verbringen, sondern sie außerdem sehr genießen. Dieser Mehrwert wird sich vor allem den Fans erschließen, die alle Folgen kennen, weil man sonst die Anspielungen nicht versteht, aber bei einem Spiel zu einer Serie ist das denke ich nicht verkehrt.

Grafik & Sound

Wie sieht das Ganze eigentlich aus? Wie die Serie. Punkt. Man merkt tatsächlich kaum Unterschiede, und das ist sehr beachtlich. Die Pappstruktur, die Gestaltung der Orte, die Bewegungen – in den ersten Minuten konnte ich nur zufrieden vor mich hin grinsen, weil ich mich so darüber gefreut habe, selber durch South Park laufen zu können und darüber, wie echt das alles aussieht. In einem interessanten, wenn auch schon etwas älteren, Interview haben die Entwickler außerdem darüber aus dem Nähkästchen geplaudert, wie die Animationen und Framerate aufeinander abgestimmt wurden. Die Herausforderung bestand darin, dass es flüssig spielbar sein musste, aber der abgehackte Stil beibehalten werden sollte.

South Park: Der Stab der Wahrheit - GegnerMan kann das Aussehen seines Charakters selber bestimmen und auch die Ausrüstung ist immer direkt sichtbar. Sie lässt sich sogar einfärben und mit kleinen Extras versehen. Fügt man seiner Waffe beispielsweise ein totes Tier als Aufsatz hinzu, verteilt sie sogenannten „gross out“ Schaden, der vergleichbar mit Giftschaden dem getroffenen Gegner jede Runde auf den Magen schlägt. Die Masse an unterschiedlichen Kostümen und Waffen ist beeindruckend. Fun Fact: Als die Entwicklung startete, hatte mich ein Bekannter, der an dem Spiel mitgearbeitet hat, angeschrieben, ob ich mich mit meinem SP-Studio an dem Charakter-Editor beteiligen will. Wieso man so etwas ablehnt? Damit man es hinterher in einem Blogeintrag erwähnen und dafür ausgelacht werden kann.

Um die Illusion perfekt zu machen, sieht das Spiel nicht nur aus wie eine Folge, sondern klingt auch so. Uns wurde eine komplette Sprachausgabe beschert, wenn auch nur auf Englisch (was ich persönlich nicht störend finde). Trey Parker und Matt Stone sprechen wie im Original fast alle Charaktere selber, aber auch die anderen bekannten Sprecher sind mit von der Partie.

Musikalisch haben die beiden South Park Schöpfer nicht erst durch ihr unverschämt erfolgreiches Broadway Musical „The Book of Mormon“ bewiesen, dass sie einiges drauf haben. Das merkt man auch diesem Spiel an. Es beginnt mit kleinen Details: Lädt man neu, ertönt eine kurze Melodie wie für Szenenwechsel in South Park üblich. Es wurde neue Musik komponiert, gespickt mit einigen echten Ohrwürmern (Jimmy!), aber man hört unterwegs in den Radios auch die Greatest Hits aus der Serie. Mein persönliches Highlight war dabei, als „Chewbacca“ von DVDA lief. Wer erinnert sich schon an so etwas? Wie bereits erwähnt: Liebenswertester Fanservice in Reinform.

Looten & Bluten

Die Story überzeugt also und auch der Look wirkt sehr authentisch. Aber was wir hier vor uns haben, ist keine Folge, sondern man stürzt sich aktiv ins Geschehen. Überzeugt The Stick of Truth auch spielerisch?

Grundsätzlich handelt es sich um ein Rollenspiel mit Adventure-Elementen. Es gibt vier Charakterklassen: Krieger, Magier, Dieb und Jude. Die Handlung wird durch Haupt- und Nebenquests vorangetrieben. Man sammelt Erfahrungspunkte und levelt durch Kämpfe. Es gibt einen Skilltree, durch den man seine vier Spezialangriffe verbessern kann. Außerdem kann man passive Fertigkeiten freischalten, indem man Freunde sammelt. In und um South Park herum findet man viele einzigartige Waffen, Kleidung und Verbesserungen für diese, so dass man immer wieder umrüsten kann.

Soviel zu den Grundlagen. Das klingt zwar alles sehr nach klassischen Rollenspielen, man sollte sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass wir es hier trotz der von Anfang an frei begehbarer Karte und Zufallskämpfen mit einem Spiel zu tun haben, das relativ linear verläuft und bei dem Grinden nicht eingeplant ist. Man erreicht die maximale Levelgrenze locker vor dem Finale, und selbst wenn nicht, stellt einen der Schwierigkeitsgrad vor keine großen Herausforderungen. Dass das Spiel eine Spur zu leicht geworden ist, liegt vor allem am Kampfsystem.

Das hat mir an sich sehr viel Spaß gemacht: Trifft man auf einen Gegner, stürzt man sich automatisch zusammen mit einem Buddy (man kann zwischen verschiedenen bekannten South Park Charakteren wählen) in den Kampf. Die Ansicht wechselt und man duelliert sich rundenbasierend, wobei man seine beiden Charaktere nacheinander steuert. In den Runden der Gegner kann man deren Angriffe blocken. Die Attacken des eigenen Teams werden durch kleine Quicktime-Events gestartet. Dass jeder Mitstreiter andere Fertigkeiten hat, die sehr lustig umgesetzt wurden, hält einen auch nach zig Kämpfen noch bei Laune. Mein persönlicher Favorit war Prinzessin Kenny. Bei den stärksten Attacke muss man die Buttons des Controllers kennen, um rechtzeitig den richtigen zu erwischen – das hat bei mir im Fall von Prinzessin Kenny hin und wieder dazu geführt, dass „sie“ das zeitliche gesegnet hat. Gut, dass Kenny die Fähigkeit zur Wiederuferstehung hat.

Dass die Kämpfe ziemlich leicht ausfallen liegt nicht so sehr an den Gegnern, sondern daran, dass man zusätzlich zu seinem Angriff immer auch ein Item benutzen kann. Man kann sich also theoretisch jede Runde heilen und trotzdem Schaden zufügen. Stirbt man, dann aus purem Geiz oder weil man die Wucht einer gegnerischen Attacke unterschätzt hat. Sollte man doch einmal ernsthafte Probleme bei einem Kampf bekommen, gibt es außerdem die extra starken Summons, die mal eben alle Gegner auf einmal umhauen. Man kann sie zwar nur sehr selten benutzen, aber das reicht. Hätte man, was diese Punkte angeht, das Kampfsystem ein wenig strenger gestaltet, hätte das dem Spiel denke ich gut getan. Freuen dürfte es allerdings Anfänger, die keine Erfahrung mit rundenbasierenden Rollenspielen mitbringen und sich trotz der vielen zu merkenden Regeln vor keinen unlösbaren Aufgaben sehen werden.

South Park: Der Stab der Wahrheit - AushängeEin interessanter Aspekt sind die zerstörbaren Umgebungen. Man kann neben den obligatorischen Kisten und Schränken auch mit bestimmten Stellen im Hintergrund interagieren, um sich neue Wege zu bahnen oder Gegner noch vor dem Kampf auszuschalten. Das erleichtert das Spiel zwar zusätzlich, macht aber vor allem richtig Laune. Wenn man eine komplette Gruppe durch einen gezielten Furz in eine offene Flamme ausgeschaltet hat, fühlt man sich wie ein wahrer Held.

Was die Bedienungsfreundlichkeit angeht, hat man sich viel Mühe gegeben. Die Objekte, mit denen der Spieler interagieren kann, sind deutlich gekennzeichnet, ohne dass sie wie Fremdkörper in der Papplandschaft wirken. Griffe, die man benutzen kann, sind zum Beispiel gelb eingefärbt, während zerstörbare Objekte Risse enthalten. Dass auch die Statusleisten während der Erforschung South Parks ausgeblendet werden, trägt zusätzlich zur Illusion bei, dass man sich in einer Folge der Serie befindet. Die Reisen erfordern Dank Timmys Transportsystem keine langen Fußmärsche, man kann außerdem rennen und Zwischensequenzen abbrechen. Speicherpunkt gibt es häufig genug. Einzig an die Steuerung des Inventars mit dem Controller werde ich mich wohl als alter PC-Spieler nie gewöhnen können – furchtbar! Aber das ist ein allgemeines Problem und schon der Grund, warum ich Diablo 3 niemals ohne Maus spielen werde.

Praktisch ist, dass man auf der Karte nicht nur die Quests angezeigt bekommt, sondern auch, in welchen Gebieten noch Schätze gefunden werden können. Sammelwütige haben einiges zu tun, denn neben den schon erwähnten Waffen, Rüstungen und Freunden kann man auch Chinpokomon finden. Aber hier muss ich auch meinen größten Kritikpunkt los werden: Wie kommt es, dass man einerseits so sehr darauf bedacht ist, ein frustfreies Spielerlebnis zu bieten, aber einem dann bei der Verteilung der Items das Messer in den Rücken rammt? Was ich meine ist, dass man bestimmte Standorte nur einmal im Verlauf der Handlung besuchen kann und danach nie wieder. Die dort versteckten Objekte sind also für immer verloren, wenn man sie im Eifer des Gefechts übersieht. Besonders ärgerlich finde ich daran, dass es sich nur um eine Hand voll Items handelt, die man verpassen kann. Hätte man diese nicht einfach an nach dem Abspann zugänglichen Orten verstecken können? Ein überflüssiges Ärgernis.

Was richtige Bugs angeht, bin ich nur auf einen gestoßen. Plötzlich verwandelte sich das Gesicht meines Charakters Dank eines Grafikfehlers in ein abstraktes Farbenmeer. Glücklicherweise schaffte jedoch ein einfacher Neustart Abhilfe. Geruckel trat kurz nach dem Laden neuer Abschnitte auf, verschwand aber direkt wieder, wenn ich kurz stehen blieb anstatt direkt loszurennen. Abgsehen davon lief alles flüssig.

Longer & Uncut

Bisher habe ich die ungeschnittene amerikanische PS3-Version gespielt. Um genau zu sein die Grand Wizard Edition, aber das macht spielerisch überhaupt keinen Unterschied. Der Kauf dieser Edition rentiert sich nur für Sammler, die Interesse an einem schicken Staubfänger in Cartmanform und einer Karte für die Wand haben. Die enthaltenen Rüstungen des Vorbesteller-DLC-Pakets sind nichts, was man unbedingt haben muss, weil sie höchstens für die ersten Level interessant sind.

Die in der deutschen Version entfernten Hakenkreuze und Hitlergrüße spielen eine nicht gerade kleine Rolle. So wird auch verständlich, wie es passieren konnte, dass ein Hakenkreuz vergessen wurde zu entfernen, was ja für die Verschiebung des Release-Termins in unseren Gefilden verantwortlich war. Es sind echt viele. Die für die (übrigens bei uns deswegen ab 16 freigegebene) europäische Konsolenversion entfernten Minispiele um Abtreibungen und Analsonden, haben mich allerdings stutzig gemacht. Ich empfand sie als nicht sonderlich schlimm. Man sieht an anderen Stellen brutalere und vor allem explizitere Szenen. Wahrscheinlich ist wirklich die Interaktivität Schuld für die Einschätzung gewesen, dass ausgerechnet diese Szenen 16-Jährige verstören könnten. Wenn sie meinen…

Lohnt sich ein Import? Das muss natürlich jeder für sich entscheiden, aber bei der PS3 würde ich dazu raten. Die sieben entfernten Szenen bereichern das Spiel meiner Meinung nach, weil sie lustig und nicht unerheblich für die Haupthandlung sind. Was die Nazizensur angeht, empfinde ich sie bei den Hakenkreuz-Armbinden als überhaupt nicht störend, wenn allerdings auch die Sprüche der Gegner entfernt wurden, beeinträchtigt das für mich die Atmosphäre dann doch. Importversionen lassen sich zumindest auf der PS3 problemlos spielen und sogar auf deutsche Texte umstellen, wenn man die eher mittelmäßige Übersetzung dabei haben möchte. Empfehlenswerter ist allerdings die Originalfassung, da einiges sinnverfremdend übersetzt wurde.

Und hinterher?

Leider hält sich der Wiederspielwert in Grenzen. Nach dem Abspann kann man noch verbliebene Kleinigkeiten erledigen, wie z.B. die Händler leerkaufen und noch fehlende Freunde und Loot aufstöbern. Ein erneuter Start ermöglicht zwar, sich die Fähigkeiten der anderen drei Klassen anzusehen, aber alleine dafür werden wohl die wenigsten das Spiel direkt noch einmal in Anrgiff nehmen. Der einzige wirkliche Grund könnten die Trophäen sein, denn die sind hundsgemein. Ohne Guide lassen sich die Versteckten kaum durch Zufall finden und man muss das Spiel mindestens zweimal durchspielen, um alles zu schaffen. Darüber hinaus kann es passieren, dass man bestimmte Trophäen nicht erreichen kann, wenn man an einer bestimmten Stelle nicht das tut, was dafür nötig ist. Im Vergleich zum Rest des Spiels ist es erstaunlich, dass die Trophäen sich nur durch Nachforschen im Internet (oder unverschämt viel Glück) holen lassen.

South Park: Der Stab der Wahrheit - Butters im KampfWas also tun, nachdem man entweder tapfer alle Trophäen geholt oder sie ignoriert hat? Mit Story DLC sieht es schlecht aus, denn die noch zu THQ-Zeiten angekündigten Zusatzpakete wurden gestrichen. Etwas Neues wurde bislang nicht angekündigt und Trey Parker und Matt Stone haben bei ihrem Comic-Con Panel letztes Jahr klar gemacht, wie wenig sie davon halten. Einerseits lobenswert, wenn sie das durchziehen, was ihrer Meinung nach dem Spiel am besten tut, aber andererseits auch schade. Denn ich hätte mir gut eine größere Erweiterung im Stil der Blizzard Addons vorstellen können, mit erhöhter Levelgrenze und einer neuen Geschichte.

Und wie sieht es mit einer Fortsetzung aus? Ein weiteres Videospiel in irgendeiner Form wird zwar laut Matt Stone nicht komplett ausgeschlossen, weil er und Trey Parker das Projekt sehr interessant fanden. Allerdings ist in nächster Zeit erst einmal nicht damit zu rechnen, weil es sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als sie eigentlich eingeplant hatten, und sie nun ziemlich ausgebrannt sind. Das erinnert daran, wie sie sich nach dem South Park Film fühlten, der damals ebenfalls hervorragende Kritiken erntete, aber so anstrengend für die beiden war, dass sie danach erst einmal wieder zurück zum Fernsehen geflüchtet sind. Und noch ein weiteres Problem würde eine The Stick of Truth Fortsetzung mit der des Films teilen: Wie soll man das Original übertreffen? Es wurden so ziemlich alle Highlights der 17 Staffeln in dieses Spiel gepackt, so dass eine Fortsetzung vieles wiederholen müsste, denn man kann ja nicht einfach die Stadt und ihre Bewohner austauschen. Das „Yeah, ich bin ein Teil von South Park!“ Gefühl macht außerdem einen Großteil des Reizes aus. Nur mit einer neuen Geschichte wäre es nicht getan, und deshalb rechne ich nicht damit, dass es eine direkte Fortsetzung geben wird.

Fazit

Die lange Wartezeit hat sich gelohnt! South Park: The Stick of Truth ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Lizenzspielen. Es spielt sich hervorragend, ist unglaublich witzig, vollgestopft mit allem, was man sich wünschen kann, bleibt der Vorlage treu und hat keine Längen. Als hätte man die Highlights der 17 bisherigen Staffeln komprimiert und mit einer originellen Story zusammen in ein RPG gepresst. Dabei ist es nicht bloß eine gute interaktive Episode geworden, sondern ein richtig gutes Spiel. Vielleicht wechselt ihr lieber gleich zum schweren Modus, aber dafür flutscht es wie eine eingeölte Rennmaus durch Mr. Slaves Dickdarm. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Was nach den ersten 3 Staffeln der Film war, ist nun The Stick of Truth: Pflichtprogramm für alle South Park Fans! Wenn sich Trey Parker und Matt Stone etwas persönlich vornehmen, wird es auch gut. Und hier muss man dann doch den einsteigerfreundlichen Schwierigkeitsgrad loben, denn South Park Fans ohne Affinität zu Rollenspielen werden nicht ausgeschlossen. Wer die Serie schon nicht mochte, sollte allerdings einen Bogen um das Spiel machen, weil der Humor derselbe ist.

7 Kommentare zu “South Park: The Review of Truth

  1. Liyanin

    Ein super Bericht. ^^ Kann dir in den meisten Punkten zustimmen.
    Auch ich war sehr sehrt begeistert von dem Spiel und spiele es bereits das dritte Mal durch. ;) Ich fand es nämlich ein bisschen zu kurz und wollte eh noch die restlichen Klassen ausprobieren. :P
    Aber wie du schon sagtest, ein Muss für jeden South Park Fan!

    Und ich sage nur, Stan’s Schrank. xD

  2. Liyanin

    Und bei dem Zwerg im Bikini musste ich sofort an dich denken und habe mich sehr gefreut, den wieder zu sehen. :D

  3. Shimmy

    Warum du allerdings abgelehnt hast am Spiel mitzuarbeiten würde mich doch interessieren ^^

    Ansonsten super Bericht, super Spiel ! : )

  4. Mart

    Eine wirklich tolle Einschätzung des Spiels, die auch meinen Eindruck widerspiegelt. Ja, es ist zu leicht, selbst auf “schwer” und ja es hat seine Macken, was collectibles und die blöde Ruckelei auf der Ps3 betrifft. Aber alles negative rückt in den Schatten, wenn man selbst durch Southpark läuft. Das ist so super. :)
    Bin jetzt kurz vorm Finale und würde es tatsächlich gleich nochmal starten.

  5. Kenny

    Sehr schöne Review und ich war überrascht, dass du auch einen Gastauftritt hattest, Zwerg im Bikini ;-)

  6. Zwerg-im-Bikini

    Noch eine Ergänzung zur deutschen Fassung, weil ich gerade eine Weile damit gespielt habe. Furchtbar!

    Empfehlenswerter ist allerdings die Originalfassung, da leider einiges sehr sinnverfremdend übersetzt wurde. Vor allem bei den Namen und Beschreibungen der Items und Fähigkeiten fällt das sehr unangenehm auf. Wenn aus “Griefer” “Trauernder” wird, aus “Jesus” “Gott” und die Sängerin “Wing” zu “Flügel” mag das als einzelner Fehler noch verschmerzbar sein. Aber hier treten solche Patzer an jeder Ecke auf und dazu kommt, dass man sich die Objektbeschreibungen teilweise komplett ausgedacht hat, anstatt sie zu übersetzen. So gehen in der deutschen Fassung viele Wortwitze und Anspielungen auf Ereignisse aus der Serie verloren. Wer des Englischen mächtig ist, sollte also auf jeden Fall auf die Originalsprache umstellen.

  7. Zwerg-im-Bikini

    @Shimmy: Als ich vor Jahren das erste Mal mit den South Park Studios zusammengearbeitet habe, wurde ich übers Ohr gehauen, und seitdem möchte ich das SP-Studio an niemanden mehr weitergeben. Ich hänge so sehr daran, dass mir sogar Geld nicht so wichtig ist, als dass es unabhängig bleibt. Eher ein idealistischer als vernünftiger Grund also ;). Ich denke nicht wirklich, dass mir heute das selbe passiert wäre wie damals, vor allem weil ich ja die Leute gekannt habe. Aber was das SP-Studio angeht bin ich sehr eigen, weil es mein erfolgreichstes Projekt ist… sozusagen mein Baby, an dem ich immer nur alleine gebastelt habe ;).

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